Millionenmarkt für Gesundheit

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Ein kleiner IT-Entwickler aus Vorarlberg erobert Brasilien. Massive Art bringt neue Nutzerfreundlichkeit in die elektronisch unterstützte Gesundheitsvorsorge.

Die Vorarlberger Softwareschmiede Massive Art hat sich innerhalb der letzten zwei Jahre zu einem der erfolgreichsten Vertreter einer Zukunftsbranche in der Informationstechnologie entwickelt: E-Health. Während vielerorts aktuell an Patientenmanagementlösungen in Krankenhäusern, elektronischer Medikamentenverschreibung und Datenübertragung von Untersuchungsdaten gearbeitet wird, fokussiert Massive-Art-Geschäftsführer Oliver J. Wolff mit seinen Lösungen auf die Heimbetreuung von Pflegebedürftigen. Sein bester Mitarbeiter dabei ist ein Avatar namens „Vitali“. Ergebnisse von Messungen mit einem mobilen Blutzuckermessgerät werden in Form eines personifizierten Blutkörperchens dargestellt. Der Avatar informiert seinen Kunden über Mimik und Text, was gut und was schlecht läuft. Die Lösung liefert ein zuverlässiges Monitoring von Gesundheitsdaten wie Körpergewicht, Körperfettgehalt, Wasserhaushalt und Muskelmasse.

Für Wolff ist Spaß an der Anwendung der Schlüssel für eine Nutzerfreundlichkeit auch für die ältere, technisch nicht versierte Bevölkerung. Die Übertragung der Daten über Funk an den Arzt und die Möglichkeit von Alarmmeldungen an Angehörige ermöglicht Patienten, länger innerhalb ihrer eigenen vier Wände zu wohnen.

 

Von Götzis nach Brasilien
Unterstützt vom Land Vorarlberg wurde bereits in Götzis ein Pilotprojekt umgesetzt. Zwölf Personen haben dort über mehrere Monate hinweg das System auf Herz und Nieren getestet. So rät Vitali den Nutzern etwa zu einem Spaziergang, wenn der Blutdruck zu hoch ist. Im fernen Brasilien werken die Vorarlberger gar an einer Megainstallation in Florianópolis. Die Verwaltung der Hauptstadt des Bundesstaates Santa Catarina stattet derzeit 35.000 Bedienstete mit der Lösung der Bregenzer aus. Gesundheitsvorsorge ist in Brasilien mehrheitlich Angelegenheit des Arbeitgebers. Schließlich wissen auch dort Unternehmen: Ausfälle durch kranke, arbeitsunfähige Mitarbeiter verursachen wesentlich höhere Kosten als Präventionsmaßnahmen. Auf Vermittlung von Wolffs Bruder Lothar, der als Honorarkonsul für Brasilien tätig ist, spricht Vitali nun portugiesisch und liefert neue Servicemöglichkeiten im Rahmen einer telemedizinischen Versorgung. Beim lokalen Partner TopMed liefern Ärzte ihre Dienste in dem Riesenland auch schon mal über ein Callcenter. Vitaldaten, die da über die Datenleitung übermittelt werden, helfen bei der Diagnose. Für die Vorarlberger tut sich ein Millionenmarkt auf.

Sprache und Landesgröße mögen in Vorarlberg und Santa Catarina unterschiedlich sein – die Bedürfnisse der Menschen sind die gleichen. „Die Nutzer fühlen sich durch nutzerfreundliche Werkzeuge in der Gesundheitsversorgung ernst genommen“, weiß Oliver Wolff. In Österreich möchte er mit seiner Palette nun das Betreuungswesen reformieren. So muss das ausgebildete Personal dank der Fernübertragung der Daten nicht mehr für einfache, wiederholte Messungen zu den Patienten kommen, sondern hat mehr Zeit für Seelsorge und vielleicht auch das eine oder andere Kartenspiel zwischendurch.

Die jüngste Entwicklung zum Thema betreutes Wohnen steckt an den Beinen der Nutzer: Sensoren am Fuß warnen bei Bewegungsmangel. Und auch die Wohnungen selbst werden vernetzt: Sturzsensoren schlagen bei Unfällen Alarm, Bewegungssensoren regeln die Beleuchtung in den Wohnräumen und eine Hitzesensorik deaktiviert bei Bedarf glühende Herdplatten. Fest steht, dass Technologie die Arbeit der Betreuer und Ärzteschaft massiv erleichtern kann. „Die Menschen wollen keine Gesundheitsroboter, sondern ein würdiges und sicheres Leben zuhause“, ist Wolff bewusst.

 

 

[Artikel auf Report.at, 14.12.2009]

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Martina Dannheimer
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